Nach den literarischen Spuren auf Neuseelands Nordinsel, die wir zu Beginn unserer kleinen Reihe HIER und HIER vorgestellt haben, folgen wir nun den Spuren eines farbenfrohen Künstlers, Architekten und Naturfreundes. All das verbunden mit einem herzlichen „Hallo“ in der Sprache der Maori: Kia Ora!

Kawakawas berühmtestes Gebäude
Warum man in Kawakawa anhalten sollte? In diesem Nest an der Bay of Islands? Wegen der öffentlichen Toilette. Schief und krumm ist sie und so fröhlich-bunt wie ein Nest voller Ostereier. Das begrünte Dach mit der kleinen goldenen Kuppel ruht auf mehreren Säulen, quietschgelb und bauchig die eine, grün und rot und lila und orange und blau die anderen. Friedensreich Hundertwasser halt.
1999, ein Jahr vor dem Tod des österreichischen Künstlers, wurde das Toilettenhäuschen an der Gilles Street, der Hauptstraße von Kawakawa, eröffnet – und lockt seitdem Jahr für Jahr rund 250.000 Besucherinnen und Besucher in den kleinen Ort. Schließlich gilt die Einrichtung als eine der schönsten Toiletten der Welt. Das können wir natürlich nicht abschließend beurteilen. Zu den meistfotografierten des Landes gehört es auf jeden Fall.

Wohnsitz im Tal von Kaurinui
Und weiter geht es auf den Spuren von Friedensreich Hundertwasser, der 1928 als Friedrich Stowasser in Wien geboren wurde. Nach vielen Jahren des Herumvagabundierens ließ sich der Architekt und Maler 1973 in Neuseeland nieder, ein Exzentriker vor dem Herrn, naturverbunden und materiellen Werten nur locker verbunden. Im Tal von Kaurinui unweit von Kawakawa kaufte er mehrere Grundstücke und ließ darauf rund 100.000 einheimische Bäume pflanzen. Drei Tage brauche man, um das Hundertwasser-Land abzuschreiten, heißt es auf der Homepage der „Hundertwasser gemeinnützige Privatstiftung Wien“. Er wolle der Natur wieder zu ihrem Recht verhelfen, erklärte der Künstler diese und andere spektakuläre Begrünungsaktionen in der ganzen Welt.
Fotos zeigen einen hageren älteren Herrn in einer bescheidenen Hütte, umgeben von dichtem Grün. Im Jahr 2000 starb Hundertwasser während einer Überfahrt von Neuseeland nach Europa. Begraben ist er unter einem Tulpenbaum im Tal von Kaurinui.

Kulturzentrum ohne Ecken und Kanten
Das Toilettenhäuschen von Kawakawa ist das einzige öffentliche Gebäude, das Hundertwasser in Neuseeland schuf. 2023 wurde es vom Heritage Trust des Landes zum Kulturerbe erklärt. Drei Jahre zuvor war in Kawakawa bereits der Te Hononga Hundertwasser Memorial Park eröffnet worden.
Im Kulturzentrum, auch das ein Gebäude ohne Ecken und Kanten ganz im Sinne des Meisters, ist unter anderem eine Kunstgalerie und eine gut ausgestattete Bibliothek mit einer umfangreichen Abteilung für Literatur auf Maori untergebracht. Der Eintritt in das Kulturzentrum beträgt fünf Neuseeland-Dollar. Allein der Besuch der Bibliothek ist kostenlos (Öffnungszeiten 10-15 Uhr). Wer dort eintritt, der liest die Botschaft auf Englisch und Maori: „Durch Wissen zum Licht“.
Die goldene Kuppel von Whangarei


In Whangarei, rund 50 Kilometer von Kawakawa entfernt und direkt am Hatea-River gelegen, erinnert das „Hundertwasser Art Centre with Wairau Maori Art Gallery“ an das Wirken des vielfach geschätzten Künstlers. Der Eintritt kostet 30 Dollar. Begonnen wurde mit dem Bau im Jahr 2018, also lange nach seinem Tod, doch der Entwurf fußt auf einem Konzept Hundertwassers für eine Kunstgalerie in Whangarei aus den 1990er Jahren.
Schon von weitem sieht man die goldene Kuppel auf dem Dach des schwarz-weiß gekachelten Gebäudes in der Sonne leuchten. Vieles hier erinnert an das „Kunst Haus Wien – Museum Hundertwasser“ (auf das wir HIER eingegangen sind): krumme Wände, ein unebener Boden, viel Grün und Gold und weiße Keramik. Und natürlich eine Vielzahl von Bildern, Skizzen, Modellen und Dokumenten, die einen guten Überblick bieten über den Weg des Künstlers von Wien in das Tal von Kaurinui im Nordosten Neuseelands. In der ersten Etage ist ein kleines Café mit Terrasse untergebracht, von der aus man einen schönen Blick auf den Fluss hat.
Petra Pluwatsch
Unsere Reihe setzen wir in Kürze fort.
Auf diesem Blog
haben wir unsere kleine Neuseeland-Reihe mit Hinweisen auf die höchste Büchertapete der Welt, das Höllentor eines Nobelpreisträgers und anderem mehr begonnen: Teil 1 gibt es HIER und Teil 2 HIER.
Zuvor schon haben wir einige Literaturspuren aufgezeigt – unter anderem solche aus Tokio (HIER und HIER), Paris (HIER und HIER), Südkorea (HIER) und Wien (HIER).
Friedensreich Hundertwasser haben wir auch schon in Wien nachgespürt – und zwar HIER.
