
Zugegeben, eine gewisse Affinität zu den Büchern von Mick Herron ist der Rezensentin nicht abzusprechen. Allzu schräg, allzu witzig und – nun ja – allzu verschroben sind sie, als dass man sie ungelesen beiseitelegen könnte. Der schottische Autor hatte eine lange Durststrecke hinter sich, ehe seine Krimis vor rund zehn Jahren einem breiten Publikum bekannt wurden und er seinen Brotjob als Korrektor an den Nagel hängen konnte. Inzwischen wurden einige seiner Bücher für Apple TV verfilmt, und Mick Herron kann sich über mehrere Krimipreise, darunter den Diamond Dagger der englischen Crime Writers‘ Association, freuen.
Mit viel schwarzem Humor
Deutschen Leserinnen und Lesern ist Mick Herrons rabenschwarze Slow-Horses-Serie um eine Truppe ausgemusterter britischer Spione seit 2018 ein Begriff. Auch seine Zoë-Boehm-Krimireihe, die bereits zwischen 2003 und 2009 entstand, hat im vergangenen Jahr ihren Weg auf den deutschsprachigen Buchmarkt gefunden. Eine Besprechung der ersten Folge, „Down Cemetery Road“, finden Sie HIER.
„Bad Actors“ ist der achte Band der Slow-Horses-Krimis, und er ist mindesten so bitterböse und politisch unkorrekt wie die Vorgängerbände. Mick Herron folgt darin seinem vielfach bewährten Erzählmuster, sprich: langer Einstieg, verwickelte Geschichte, überzeugende Auflösung. Dazu gibt es viel schwarzen Humor und Dialoge, die ans Absurde grenzen.
Die Dinge laufen aus dem Ruder
Eine Mitarbeiterin des britischen Innenministers ist abgetaucht. Daraufhin wird der ehemalige MI5-Chef Claude Whelan mit der Suche nach ihr beauftragt. Der erledigt auch brav seinen Job. Doch dann erfahren einige Slow Horses von der verschwundenen jungen Frau, und die Dinge laufen komplett aus dem Ruder.
Das liest sich ausgesprochen witzig. Und mitunter fühlt man sich, als sei man mitten hineingeraten in einen Monty-Python-Film.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
haben wir Mick Herron einige Male gewürdigt. „Slough House“ aus der Slow-Horses-Reihe wird HIER und „Down Cemetery Road“ aus der Zoë-Boehm-Reihe HIER besprochen. Außerdem schildern wir HIER eine Begegnung mit dem Autor.

Mick Herron: „Bad Actors“, dt. von Stefanie Schäfer, Diogenes, 464 Seiten, 19 Euro, E-Book: 15,99 Euro.
