
Aus der Bahn geworfen
Doch der Unbekannte hat zahlreiche Fehler gemacht und wird alsbald als ehemaliger Auftragskiller des örtlichen Drogenkartells X-11 identifiziert. Merkwürdig allerdings ist, dass der berüchtigte „Lobo“, so sein Gang-Name, seit 20 Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Und hätte ein Profi wie der Wolf wirklich so schlampig gearbeitet, dass er bereits nach dem ersten Mord auffliegt?
Zumindest Ermittler Bob Oz bezweifelt das. Oz ist selber ein Outcast, ein Mann ohne Freunde und unbeliebt bei den Kollegen. Ein privater Schicksalsschlag hat ihn kürzlich aus der Kurve getragen, und so säuft er sich von morgens um elf in der nächstbesten Bar um den Verstand.
Die Kunst des Überlebens
Mit „Minnesota“, so der Titel dieses spannenden Buches, ist dem norwegischen Autor Jo Nesbø ein knallharter Polizeikrimi mit Tiefgang gelungen. Hier geht es um mehr als eine simple Mordermittlung. Nesbøs Protagonisten sind (wie schon Harry Hole, der Namensgeber seiner erfolgreichen Krimireihe um den norwegischen Ermittler) einsame, vom Leben gebeutelte Wölfe, die versuchen, sich in einer von Gewalt geprägten Welt einen Rest von Würde und Seelenfrieden zu bewahren. Nicht jedem von ihnen gelingt das.
Sowohl der Mörder als auch sein Jäger haben ihren Kompass im Leben verloren, und nur einer von ihnen wird ihn wiederfinden. So liest man in diesem Buch wunderbar-philosophische Passagen über Einsamkeit und die Kunst des Überlebens im Dschungel einer US-amerikanischen Großstadt. Jo Nesbø erweist sich damit einmal mehr als großartiger Erzähler.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
haben wir von Jo Nesbø zuletzt den Harry-Hole-Krimi „Blutmond“ HIER besprochen.
Jo Nesbø: „Minnesota“, dt. von Günther Frauenlob, Ullstein, 408 Seiten, 24 Euro. E-Book 19,99 Euro.
