Unter Orangenbäumen in Andalusien (1):  Die Reise beginnt mit einem Ausflug in die Römerzeit

Einmal durch den Westen Andalusiens, mit Abstechern nach Gibraltar und in die Extremadura – das ist unsere Route. Es geht von Mérida über Sevilla nach Tarifa. Und ein ums andere Mal finden wir uns unter Orangenbäumen wieder. Was sonst auffallend ist, stellen wir in vier kurzen Beiträgen vor. Reise-Tapas aus einem sehr schönen Teil Europas.

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Das Teatro Romano in Mérida Fotos: Bücheratlas / M. Oe.

Auf der Spur der Römerinnen und Römer

Immerzu ist von den Mauren die Rede. Was in Ordnung ist. Nicht nur, weil sie der Region den Namen al-Andalus gegeben haben, sondern diese kulturell intensiv geprägt haben. Dafür stehen touristische Spitzenstädte wie Granada oder Cordoba, die wir diesmal außen vor gelassen haben. Aber die Römer waren eben auch vor Ort – in ihrem Hispania Baetica. Dabei steht Baetica für den Fluss Guadalquivir (worauf sich der Fußballklub Real Betis Sevilla bezieht). Die Römer? Ja, wo sind sie denn?  

Mérida als Ruhesitz

Der Templo de Diana mit Bar-Besuchern

Hispania, so nannten die Römer in der Antike die iberische Halbinsel – und ließen sich dort rund 600 Jahre häuslich nieder. Bauten Städte, Arenen und Aquädukte, vor deren Ruinen wir heute staunend stehen. Besonders eindrucksvoll: Mérida, diese sonnendurchglühte Stadt in der Extremadura, in der wir drei Tage verbrachten. Allerdings nicht wegen der zerschnippelten Schweineohren in Knoblauchsoße, die in den hiesigen Tapas-Bars als Delikatesse angeboten werden.

Vor allem locken uns die Römer, also die Römerinnen und Römer, deren Bauten bis heute das Gesicht der Stadt prägen. Gegründet wurde Mérida im Jahr 25 v. Chr. von Kaiser Augustus. Die „Emerita Augusta“ war gedacht als Ruhesitz für römische Veteranen. Den verdienten Kämpfern sollte es an nichts mangeln. So entstanden im Laufe der Zeit prachtvolle Anlagen wie der Tempel der Diana an der Calle Santa Catalina / Calle Romero Leal (wo man vorbeikommt, wenn man in Richtung der Plaza de Espana schlendert). Außerdem ein Theater und direkt daneben ein Amphitheater, eine mehr als 400 Meter lange und 100 Meter breite Pferderennbahn (am besten morgens besuchen, wenn es noch kühl ist). Schließlich sind noch große Abschnitte eines Aquädukts erhalten. Davor befindet sich eine schattige Grünanlage, in der man unter Bäumen sitzen und die Kühle genießen kann. Zwei Tage sollte man hier einplanen.

Fischsoße aus Baelo Claudia

Tempel am Forum von Baelo Claudia

Für den Besuch der Ruinenstadt Baelo Claudia, knapp 20 Kilometer südwestlich von Tarifa auf einem Hügel gelegen, nahmen wir uns nur zwei Stunden Zeit. Wir besichtigten die Ausgrabungsstätte zur Mittagszeit. Das mag als Erklärung genügen. Heiß brannte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Tief unten sahen wir das Meer an die Küste branden. Baelo Claudia wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. gegründet und lebte vom Export der Fischsoße Garum, einer im gesamten Römischen Reich begehrten – und interessant riechenden – Delikatesse. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und ein Erdbeben läuteten im 6. Jahrhundert n. Chr. den Niedergang der Hafenstadt ein.

Heute gilt Baelo Claudia als die am vollständigsten erhaltene Römerstadt Spaniens. In der Tat kann man sich mit ein wenig Fantasie das lebhafte Treiben auf dem Forum vorstellen, das Gewusel in den engen Gassen und das Geplapper in der öffentlich zugänglichen Therme. Ein Rundweg ist ausgeschildert, lässt sich bei Bedarf aber bequem abkürzen. Hintergrundwissen vermittelt ein Museum am Eingang der Anlage. Wer anschließend eine Erfrischung braucht, dem sei ein Besuch in einem Strandlokal an der nahen Playa de Bolonia empfohlen. Dort werden Tapas, Fischsuppe und natürlich eine kühle Cerveza serviert.  

Petra Pluwatsch

Weiter geht es

im nächsten Teil mit einigen Lieblingsplätzen in der Region.

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