
Das muss man erst einmal schaffen! Rund sechs Jahre führte Ken Folletts historischer Roman „Die Säulen der Erde“ die deutschen Bestsellerlisten an. Knapp 30 Millionen Mal ging die 1989 erschienene Geschichte über die blutigen Auseinandersetzungen im England des 12. Jahrhunderts und die wundersame Entstehung einer Kathedrale weltweit über die Ladentische.
Das Mädchen, das die Männer verflucht
Der belgische Comic-Autor Didier Alcante las „Die Säulen der Erde“ das erste Mal vor 25 Jahren. Und war auf Anhieb begeistert von dem Buch. „Bereits im Prolog zog mich die Geschichte in ihren Bann“, schreibt er. „Eine öffentliche Hinrichtung, von der man ahnt, dass sie nicht gerechtfertigt ist, ein junges, schwangeres Mädchen, das einen Priester, einen Mönch und einen Ritter verflucht.“ Er habe die Story sofort bildlich vor Augen gehabt, erinnert er sich. „Mir war klar, dass daraus eine außergewöhnliche Graphic Novel werden könnte.“
Dennoch dauerte es mehr als 20 Jahre, ehe Alcante gemeinsam mit dem Zeichner Steven Dupré und dem Koloristen Jean-Paul Fernandez seine Vision von der Umsetzung des historischen Stoffs in einen Comic verwirklichte. 2023 erschien unter dem Titel „Les Piliers de la Terre – Le Rêveur de Cathédrales“ die erste Folge einer auf mehrere Bände angelegten Reihe.
Leidenschaft fürs Mittelalter
Inzwischen liegt die deutsche Übersetzung vor: „Die Säulen der Erde – Der Traum von einer Kathedrale“. Ihm sei wichtig gewesen, ein möglichst realistisches Bild des Mittelalters zu erschaffen, schreibt Alcante im Nachwort des Bandes. Gleichzeitig habe er den Leserinnen und Lesern die Leidenschaft vermitteln wollen, die er für diesen Roman hege. Beides ist ihm gelungen.
In meist düsteren Bildern erzählen Alcante, Dupré und Fernandez die Geschichte des Baumeisters Tom Builder, der mit seiner Familie auf der Suche nach Arbeit halbverhungert durch England zieht. Ihr einziger Besitz, ein fettes Schwein, wird ihnen gestohlen. Agnes Builder verblutet nach der Geburt ihres dritten Kindes, und Tom lässt seinen neugeborenen Sohn im Wald zurück. Ernähren kann er ihn nicht.

Der Kampf um den Thron
In England brechen nach dem Tod von König Heinrich unruhige Zeiten an. Sein Neffe Stephan ist ihm auf den Thron gefolgt. Doch der junge König hat mächtige Gegner, und schon bald sind auch Tom Builder und seine Kinder von den blutigen Auseinandersetzungen um den englischen Thron betroffen. Die Burg, in der sie untergekommen sind, wird von Gegnern Stephans überfallen, und sie müssen Hals über Kopf fliehen.
All das ist mit feinem Strich in Szene gesetzt. Er habe, schreibt Alcante, den Zeichnungen so viel Platz wie möglich eingeräumt und sich der Hilfe eines Mediävisten versichert. So kann man gespannt sein auf den zweiten Teil „Die Säulen der Erde – Das Feuer Gottes“, der im April 2025 erscheinen soll.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
haben wir Ken Folletts Roman „Never – Die letzte Entscheidung“ HIER vorgestellt.
Didier Alcante, Steven Dupré, Jean-Paul Fernandez: „Die Säulen der Erde – Der Traum von einer Kathedrale“, dt. von Ulrike Werner-Richter, Lübbe, 110 Seiten, 20 Euro.
