Danziger Trilogie (2): Mehr Reisetipps zur Marienkirche, der Westerplatte und dem „Gold des Nordens“

Weiter geht es auf unserem Rundgang durch Danzig in drei Etappen! Nach dem Auftakt (HIER), der vom Neptunbrunnen über die Frauengasse zur Bar mit nur einem Getränk führte, geht es nun zur welthistorischen Westerplatte, zur backsteinroten Marienkirche und in einige Souvenirshops. 

********* *********

„Nie wieder Krieg“

Das Denkmal auf der Westerplatte ist den „Verteidigern der Küste“ (Pomnik Obrońców Wybrzeża) gewidmet. Foto: Bücheratlas/M.Oe.

Viele Wege führen zur Westerplatte, wo der Zweite Weltkrieg begonnen hat. „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“, sagte Hitler am 1. September 1939 im Reichstag; tatsächlich eröffnete das Schlachtschiff „Schleswig-Holstein“ um 4.45 Uhr das Feuer. Ziel des deutschen Überfalls war ein polnisches Munitionsdepot, eine Enklave auf Danziger Gebiet. Diese hatte der Völkerbund im Jahre 1924 gegen den Protest der Freien Stadt bewilligt.

Busse und Bahnen fahren dorthin – und stündlich zahlreiche Boote. Die Ablegestelle befindet sich an der Langen Brücke. Wer’s mag, kann den 45-Minuten-Trip sogar auf einem Piratenschiff erleben. Die Fahrt führt zunächst vorbei am Museum des Zweiten Weltkriegs, das wie ein roter Keil schrägt aus dem Boden wächst. Etwas weiter entfernt erblicken wir das propere, an die Münchner Arena erinnernde Stadion. Dann geht es mitten durch den Hafen. Heimelig sieht’s da nicht aus, sondern industriell. Angeblich hat er auch schon bessere Zeiten erlebt.

Die Westerplatte ist ein beliebtes Ausflugsziel. Deshalb sind wir nicht allein auf dem Pfad am Strand entlang zum Denkmal: Pfadfinder, Familien, Touristen begleiten uns. Währenddessen trainiert die Besatzung eines Militärhubschraubers knatternd Start und Tiefflug und Landung und Start und Tiefflug und Landung und Start. Am gegenüberliegenden Ufer ragt der Leuchtturm von Neufahrwasser hervor.

Das weitläufige Gelände wird von einer 23 Meter hohen Granitsäule dominiert. Mit ihr wird der polnischen Soldaten gedacht, die bei dem deutschen Angriff ums Leben gekommen sind. Gepriesen werden sie als „Verteidiger der Küste“. Einige Ruinen von Bunkern und Kaserne sind konserviert worden. Womöglich finden sich noch weitere Spuren, jedenfalls sahen wir bei unserem Besuch einige Archäologen mit feinem Gerät ein abgestecktes Geviert ergründen.  

Auf einer Wiese wird in Riesenlettern der Wunsch „Nigdy więcej wojny“ („Nie wieder Krieg“) formuliert. Gleich daneben gibt es „das beste Eis“ und Waffeln in Variationen. Vor einem Souvenirstand sehen wir einen Vater, der seinem Sohn soeben ein Spielzeug-Maschinengewehr gekauft hat. Kaum lässt sich sagen, wer begeisterter ist beim Entfernen der Folie und Zusammenstecken der Einzelteile.

********* *********

Eine der Größten ihrer Art

Hoch und hell ist der Innenraum der von außen so trutzig wirkenden Marienkirche. Fotos: Bücheratlas/M.Oe.

Die Marienkirche, Danzigs rotbraunes Gotteshaus, ist eine Attraktion in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal ist sie eine der größten Backsteinkirchen der Welt. Dann ist sie aus vielen Blickwinkel in Nah und Fern unübersehbar. Und so trutzig die Kathedralbasilika von außen wirkt, einer Festung gleich, so leicht wirkt sie im Innenraum. Ganz in Weiß imponieren die hohen Kirchenschiffe und die mit Steinsternchen geschmückte Decke. Angeblich bietet die Halle Platz für 25.000 Personen. Vier Jahrhunderte lang war sie ein evangelisches, seit 1955 ist sie ein katholisches Gotteshaus. Zu denen, die hier begraben liegen, gehört auch der Barockdichter Martin Opitz (1597-1639). Er verfasste das „Buch der deutschen Poeterey“, eine Theorie der Dichtkunst. Das ist heute kein Bestseller, aber war ehedem ein literarisches Debattenthema. 

Die größte Kirche der Stadt, ja, das ist die Marienkirche, aber nicht die älteste Kirche. Diesen Titel trägt die Katharinenkirche, deren Ursprung im 12. Jahrhundert liegt. Passend zum Thema Himmel und Erde, dem sich hier gewidmet wird, befindet sich in dem schönen Gemäuer auch das Grab des Astronomen Johannes Hevelius (1611-1687). 

********* *********

„Hauptstadt des Bernsteins“

Die Frauengasse (Ulica Mariacka) ist eine von vielen Adressen für Bernstein-Schmuck. Foto: Bücheratlas/M.Oe.

Erst einmal eine Binse: Die besten Souvenirs sind die Eindrücke, die man mitnimmt. Gut, haben wir das abgehakt. Wer es er handfester mag, der ersteht womöglich ein „Danziger Goldwasser“. Den Likör hat der Niederländer Ambrosius Vermöllen im Haus „Der Lachs“ im 16. Jahrhundert auf den Markt gebracht. Das Getränk wurde, vermutlich zur Steigerung der Kräuterkräfte, mit Blattgoldflitter versehen. Eine Legende gibt es auch dazu: Weil sich Neptun über die Münzen ärgerte, die in seinen Brunnen in der Langgasse geworfen wurden, stieß er mit seinem Dreizack auf die Geldstücke ein, worauf das Wasser von Goldpartikeln durchglitzert wurde.

Bernstein findet sich im Zentrum fast so häufig wie Sand am Meer, aus dem die honigfarbigen Schönheiten stammen. Die Stadt rühmt sich selbst als „Hauptstadt des Bernsteins“. In der Frauengasse verstellen die einschlägigen Vitrinen sogar jeden zweiten Treppenaufgang, also die einst so typischen Beischläge vor den Häusern. Ein Bernsteinmuseum gibt es auch, in der Großen Mühle am Radaune-Kanal in der Altstadt. Und nur ein paar Meter weiter in der Brigittenkirche, die als Kirche der Solidarność gilt, entsteht seit vielen Jahren ein Bernsteinaltar. Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass hier ein Eintrittsgeld eingefordert wird. Ach ja, das „Gold des Nordens“ gibt es in jedem Schmuckladen, mit einer besonders großen Auswahl an der Langen Brücke zwischen Grünem Tor (Brama Zielona) und Frauentor (Brama Mariacka).

Martin Oehlen

Fortsetzung folgt

Auf diesem Blog

haben wir im ersten Teil unserer Danziger Trilogie einen Mini-Überblick zur Geschichte geboten, die Rechtstadt besucht, Piroggen gegessen, eine Kneipe gefunden sowie eine Bar in Rot (HIER).

********* *********

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..