Die Hormone spielen verrückt: Tine Dreyers herrlich überdrehter Kriminalroman „Morden in der Menopause“

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Wenn die Hormone verrücktspielen, kann frau schon mal austicken. Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit und der Verlust der Libido sind nur einige Wechseljahrbeschwerden, unter denen Küchenberaterin Liv Steinhammer, 48 Jahre alt und Mutter von drei heranwachsenden Kindern, leidet. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie die treusorgende Mutter und Schwiegertochter gab. „Fällt der Hormonspiegel, fällt unsere Stimmung – und damit das Wohlfühlkonzept, von dem alle anderen bisher so fabelhaft profitiert haben.“

Wohin mit der Leiche?

Das bekommt als erster Freddy zu spüren. Freddy, der Drogendealer, dem Liv Steinhammer in einem Schrebergarten einen Hammer über den Kopf zieht. Knochen brechen, das Blut spritzt, Freddy ist so tot wie ein abgehangenes Rinderfilet. Und Liv Steinhammer hat ein Problem. Wohin mit der Leiche? Sicher, es war eine Tat im Affekt. Der Mann wollte ihrem 17-jährigen Sohn Drogen verkauften. Und: Er hatte sie „verknitterte alte Fotze genannt.“ Für Liv sind das Gründe genug, um zum Hammer zu greifen – zumindest, wenn frau in den Wechseljahren ist.

„Morden in der Menopause“ – schon der Titel dieses ebenso amüsanten wie rabenschwarzen Krimis von Tine Dreyer – ein Pseudonym von Christine Drews – verrät, dass es nicht bei diesem einem Toten bleibt. Ich-Erzählerin Liv gerät von einer absurden Situation in die nächste, und schon bald muss nicht nur Freddy entsorgt werden.

Betonblock mit „Füllung“

Ganz zu schweigen von Livs häuslichen Problemen! Ehemann Jörg hat sein eigenes kleines Geheimnis, und damit ist nicht sein lichter werdender Haarschopf gemeint. Der Nachwuchs steckt mitten in der Pubertät. Die betagten Schwiegereltern weigern sich, die Hilfe eines Pflegedienstes anzunehmen. Dazu kommen die Diskussionen mit einer nervigen Kundin, der Liv schließlich einen Betonblock mit einer sehr besonderen „Füllung“ in die neue Küche stellt.

Keine Frage: Dieser herrlich überdrehte Krimi über das Hormonchaos in der Menopause ist vermutlich kein Buch für jeden Mann. Was schade ist, denn ihnen entgeht ein Lese-Spaß vom Allerfeinsten.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir Christine Drews‘ Roman „Freiflug“ über die erste Linienflugkapitänin HIER vorgestellt.

Lesung

der Autorin in der Buchhandlung Falderstraße in Köln-Sürth am 11. April 2024 um 20 Uhr (Eintritt: 12 Euro).

Tine Dreyer: „Morden in der Menopause“, DuMont, 286 Seiten, 17 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

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