
Hollywood im Jahre 1929. Privatschnüffler Hardy Engel sitzt seit fünf Jahren unschuldig im Knast, und seine Aussichten auf eine baldige Freilassung sind gleich null. Sein letzter Fall hat ihn hinter Gitter gebracht („Die letzte Geliebte“, 2020). Die Zusage eines korrupten Ermittlers, er werde schon bald nach seiner Verurteilung wieder freikommen, hat sich als Luftnummer erwiesen.
Tod auf der Luxusyacht
Doch eines Nachts öffnen sich überraschend die Gefängnistore für Hollywoods hartnäckigsten Privatdetektiv. Der mächtige Filmmogul und Verleger William R. Hearst wird erpresst, und Engel soll den Drahtzieher der bösen Tat aufspüren. Sollte ihm das nicht gelingen, muss er zurück ins Gefängnis.
Kein Wunder also, dass Hardy Engel alles daransetzt, um den Fall so schnell wie möglich aufzuklären. Auf Hearsts Luxusyacht ist fünf Jahre zuvor ein Filmproduzent schwer erkrankt und wenige Tage später angeblich an Herzversagen gestorben. Seitdem hält sich in Hollywood hartnäckig das Gerücht, Hearst sei nicht ganz unschuldig am Tod des Konkurrenten. Angeblich ist der unbekannte Erpresser im Besitz belastenden Materials, das er der Staatsanwaltschaft zu übergeben droht, falls Hearst seinen Forderungen nicht nachkommt.
Vom Stummfilm zum Tonfilm
„Der böse Vater“ ist bereits der vierte Band einer historischen Krimireihe um den deutschstämmigen Ermittler Hardy Engel. Autor Christof Weigold versetzt seine Leserinnen und Leser darin in bewährter Manier in die aufstrebende Filmstadt Hollywood, in der es um Macht, politischen Einfluss und das ganz große Geld geht. In dieser Stadt intrigiert jeder gegen jeden, und die Stars gönnen einander nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Die Zeit des Stummfilms endet 1929 unwiderruflich, die ersten Tonfilme drängen auf den Markt, und Männer wie William R. Hearst setzen alles daran, um die Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen.
Hardy Engel gerät mit seinen Ermittlungen mitten hinein in die Hahnenkämpfe der Filmbosse, von denen sein Auftraggeber der wohl gefährlichste ist. „Der Böse Vater“ ist wie schon die Vorgängerbände exzellent recherchiert und gewährt einen interessanten Einblick in die beginnende Ära des Tonfilms, die für manchen Stummfilmstar das Ende der Kariere bedeutete. Die Handlung erfährt zahlreiche unerwartete Wendungen, doch Christof Weigold behält souverän den Überblick und führt die Geschichte zu einem überzeugenden Ende. Hier wird viel historisches Wissen so amüsant und leichtfüßig serviert, dass die Lektüre der mehr als 600 Seiten das reine Vergnügen ist.
Petra Pluwatsch
Christof Weigold: „Der böse Vater“, Kampa, 624 Seiten, 28 Euro. E-Book: 21,99 Euro.
