
Antonio Lobo Antunes ist mit vielen großen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Auch mit dem „Premio Camoes“, der bedeutendsten Ehrung in der portugiesischsprachigen Literaturwelt. Den Nobelpreis hat er allerdings nicht bekommen. Als ich vor bald 30 Jahren mit ihm ein Interview führte, galt er gar als Favorit. Auch weil Portugal in jenem Jahr 1997 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war („Portugal – Wege in die Welt“). Doch dann erhielt Dario Fo den Zuschlag. Ausgerechnet bei unserer Begrüßung, zur Mittagszeit in Hamburg, traf die Nachricht ein. „Dario Fo – wie finden Sie denn das?“, fragte er verblüfft. Aber er fasste sich dann schnell.
Im Gespräch über „Das Handbuch der Inquisitoren“, seinen damals frisch veröffentlichten Roman, kam er auch auf den Krieg zu sprechen. Was er damals sagte, nehmen wir gerade heute mit geschärfter Aufmerksamkeit zur Kenntnis:
„Der Krieg
ist das Fürchterlichste,
das Wildeste,
das Brutalste.“
Der große Portugiese wusste, wovon er sprach. Als Militärarzt hatte er nach seinem Studium portugiesische Soldaten in Angola betreut. Anschließend wurde er Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Lissabon, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete. Mehr als 30 Romane hat er veröffentlicht. Auf Deutsch erschien zuletzt „Am anderen Ufer des Meeres“ bei Luchterhand. Nun ist Antonio Lobo Antunes im Alter von 83 Jahren gestorben. (M. Oe.)