
Was geht im Kopf eines Mörders vor? Schafft ihm seine Tat Befriedigung? Wird er wieder töten, um seine Fantasien ein weiteres Mal auszuleben? Fragen wie diese hat sich Axel Petermann schon oft gestellt. Antworten darauf hat er nicht immer gefunden. Der Profiler und langjährige Ermittler der Bremer Mordkommission beschäftigt sich seit den 1970er-Jahren mit Gewaltverbrechern. 2010 erschien sein erstes Sachbuch über die Arbeit eines Profilers, „Auf der Spur des Bösen“ (gemeinsam mit Lothar Strüh). Es folgten weitere Bücher zum Thema, darunter drei Kriminalromane, die auf wahren Fällen basieren. Ein Interview mit Petermann und eine Besprechung des Krimis „Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie”, den er 2024 mit Petra Mattfeldt geschrieben hat, finden Sie HIER.
In seinem neuen Buch „Die Psyche des Bösen – Im Kopf der Mörder“ gewährt Petermann einen weiteren spannenden Einblick in seinen Alltag als Profiler. Im Mittelpunkt stehen drei Fälle aus den 1990er Jahren, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen.
Carola und der Schulranzen im Wald
In der Endphase der DDR verschwindet an einem kalten Januarmorgen des Jahres 1989 die 13-jährige Carola Raabe auf dem Weg zu einer benachbarten Verwandten, mit der sie zur Schule radeln wollte. Allein ihr Schulranzen und ihr Fahrrad, das man verborgen unter Laub im Wald findet, zeugen von einem Gewaltverbrechen. Carola Raabe selbst bleibt unauffindbar.
35 Jahre später bittet Carolas Vater den Profiler, sich des alten Falls anzunehmen. Der Verlust der Tochter hat den Mittsiebziger gezeichnet und er erhofft sich von Petermann Aufklärung darüber, was an jenem Januarmorgen wirklich geschah. Sind Verwandte in die Geschehnisse verwickelt? Hatte womöglich die Stasi ihre Hand im Spiel? Akribisch geht der ehemalige Mordermittler jeder noch so kleinen Spur nach. Er befragt Zeugen, begutachtet mögliche Tatorte und spielt verschiedene Szenarien durch. Das Rätsel um Carolas Verschwinden kann allerdings auch er nicht lösen.
Auf der Suche nach den Motiven
Bei den beiden anderen Fällen sind die Täter gefasst und verurteilt. Doch die Frage nach dem Warum treibt die Hinterbliebenen und Familienangehörigen noch Jahrzehnte später um. Warum tötet ein Mann seine Freundin und deren zwei Kinder? Warum ersticht ein Auszubildender an einem Samstagmorgen scheinbar aus dem Nichts heraus die Buchhalterin der Molkerei, in der er arbeitet?
Petermann hat sich intensiv mit den Lebensgeschichten der Täter und ihren möglichen Motiven beschäftigt. Das liest sich nicht nur ausgesprochen spannend, sondern sensibilisiert auch die Leserinnen und Leser für das Abgründige im Menschen, das in jedem von uns schlummert. Denn, wie Petermann schreibt, sei das Böse nicht weit weg. „Es ist Teil unserer Gesellschaft, Teil unserer Lebensgeschichten, Teil der menschlichen Natur. Wer es verstehen will, muss den Mut haben, den Schlüssel in die Hand zu nehmen.” Wenn man diesen umdrehe, höre man womöglich das Geräusch einer Tür, die sich öffne. Eine Tür, „die sich in eine Welt öffnet, die uns mehr über uns selbst verrät, als uns lieb ist“.
Petra Pluwatsch
Auf diesem Blog
finden sich ein Gespräch mit Axel Petermann sowie eine Besprechung seines Kriminalromans „Im Kopf des Bösen – Ken und Barbie” (mit Petra Mattfeldt) genau HIER.
Axel Petermann: „Die Psyche des Bösen. Im Kopf der Mörder – ein Profiler ermittelt“, Heyne, 384 Seiten, 16 Euro. E-Book: 12,99 Euro.
