Merci Paris (3): Auf ruhigen Plätzen mit Mops, Paulownien und bunten Tassen

Ist es Zeit für eine Rast? Paris bietet viele Plätze – für den Autoverkehr sowieso, aber eben auch für Flaneure, Mittagspäusler, Ruhebedürftige. Drei davon haben wir für den dritten Teil unserer sechsteiligen Reihe „Merci Paris“ ausgewählt. Da verweisen wir mal nicht auf Klassiker wie die immer wieder lauschige Place des Vosges oder die immer wieder überfüllte Place du Tertre. Sondern – ach, schauen Sie, bitte, selbst einmal.

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Die Place du Marché Sainte-Catherine im Marais Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Bäume, Bänke und Bistrots

Zugegeben – als wir die Place du Marché Sainte-Catherine ein zweites Mal besuchen, versperrt uns ein städtischer Müllwagen die Sicht. In seinen Inneren rumpelte es bedrohlich, und wir fliehen zur nahen Place des Voges. Doch eine Woche zuvor, an einem sonnigen Tag, verbrachten wir zwei beschauliche Stunden auf diesem kleinen, von Bäumen umstandenen Platz. Er liegt mitten im Marais und bietet sich an zum Verweilen und Verschnaufen, wenn einen die Sinneseindrücke dieses quirligen Stadtviertels zu überwältigen drohen. Errichtet wurde er 1784, fünf Jahre vor dem Beginn der französischen Revolution also, und gehört damit zu den ältesten Plätzen von Paris. Seinen Namen verdankt er den Markthallen, die einst hier standen und heute nicht mehr existieren.  

Im Bistro „Terrasse Sainte Catherine“ wird der Kaffee in bunten Tassen serviert. Wir nippten an dem braunen Gebräu – nein, es gewann nicht den Preis für den besten Kaffee von Paris! – und beobachten die wenigen Passanten, die über den Platz schlenderten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Neben uns saß eine junge Frau im Rollstuhl und schaute wie wir in die Sonne. Der Kellner hatte eilig ein paar Stühle für sie beiseite geräumt. Tauben gurrten, von weitem hörte man die Protestgesänge von Demonstranten, die zur Place de la Bastille zogen. Es wurde, wie so oft in Frankreich, gestreikt an diesem Tag. Einmal öffnete sich im Haus zu unserer Rechten, einem hohen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, die Eingangstür. Eine alte Dame trat hinaus auf den Platz, neben ihr trippelte ein Mops eilig zum nächsten Baum. Ja, viel passierte nicht in den zwei Stunden der Ruhe. Es war toll. (Marais, 4. Arrondissement)


Die Place Dauphine auf der Île de la Cité Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Wo Montand und Maigret flanierten

Am letzten Tag unseres Aufenthalts wollten wir unbedingt noch einmal zur Place Dauphine. Wir hatten den ruhigen Platz an der Spitze der Île de la Cité vor vielen Jahren entdeckt und in einem der drei Restaurants zu Mittag gegessen. Damals waren wir fast die einzigen Gäste gewesen, beseelt von einem guten Essen unter schattenspendenden Bäumen. Inzwischen gibt es auf der Place Dauphine mehrere Lokale, und auf dem Gehweg und der Mitte des Platzes, der mit feinem Sand ausgelegt ist, stehen die Tische dicht an dicht.

Dennoch strahlt der zweitälteste royale Platz von Paris, benannt nach dem Dauphin, dem ältesten Sohn von König Heinrich IV., nach wie vor eine stille Würde aus. Hohe, mit Backstein verzierte Häuser säumen das rund 100 Meter lange, autofreie Dreieck, das an seiner Ostseite vom Palais de Justice begrenzt wird. In einem der anliegenden Wohnhäuser, in der Nummer 15, wohnte viele Jahre das Schauspielerehepaar Yves Montand und Simone Signoret. An der Breitseite des Platzes haben sich an diesem Spätnachmittag einige Boule-Spieler versammelt. Konzentriert schwingen sie ihre Arme von hinten nach vorn, ehe sie endlich die Kugel mit einem dumpfen „Bamp“ in den Sand setzen.

Von der Place Dauphine sind es nur ein paar Schritte zum Quai des Orfèvres, wo bis 2017 die Pariser Kriminalpolizei ihren Sitz hatte. Berühmt wurde die Dienststelle durch eine Romanfigur von Georges Simenon, durch Kommissar Maigret, der wiederum gern in der „Brasserie Dauphine“ einkehrte. Diese Lokalität allerdings suchte man schon zu Georges Simenons Lebzeiten vergebens auf der Place Dauphine. (Île de la Cité, 1. Arrondissement)


Die Place de Furstemberg in Saint-Germain-des-Prés Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Am Wohnsitz von Eugène Delacroix

Der Pariser Fremdenverkehrsamt spart nicht mit Lob für die Place de Furstemberg im Quartier Saint-Germain-des-Prés. Der „reizvolle“ Platz, ursprünglich der Innenhof einer alten Abtei, gehöre zu den wohl charmantesten Plätzen der Hauptstadt. Hauptattraktion des Platzes ist das „Musée Eugène Delacroix“, das sich im ehemaligen Wohnhaus des Malers befindet.

In der Mitte des keisrunden Platzes steht ein wenig verloren ein einziger, schmiedeeiserner Laternenpfahl. Drei Paulownien spenden Schatten, der vierte Blauglockenbaum ist noch in der frühen Wachstumsphase.

Es ist ein verschwiegener Ort, den man von der Rue de Furstemberg (zuweilen heißt es auch: Furstenberg) erreicht. Einen Kaffee werden Sie hier nicht bekommen, auch eine Sitzbank sucht man vergebens. Nicht einmal ein Poller lädt zum kurzen Platznehmen ein. Aber was soll`s. Bis zum Café des Deux Magots oder zum Café de Flore sind es nur fünf Gehminuten. (Saint-Germain-des-Prés, 6. Arrondissement)

Petra Pluwatsch

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Auf diesem Blog

haben wir unsere Reihe „Merci Paris“ mit einer Linienbusfahrt HIER begonnen und mit einer Wanderung auf literarischen Spuren HIER fortgesetzt.

Im vierten Teil, den wir für den kommenden Donnerstag eingeplant haben, geht es um zehn Museen, die vielleicht noch nicht so bekannt sind wie der Louvre.

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