
Es wird kommen der Tag. Aber eine Weile müssen wir uns noch gedulden. Wann der erste Mensch seinen Fuß auf den Mars setzen (und dabei einen wohl präparierten Satz formulieren) wird, steht in den Sternen. Doch schon jetzt können wir uns den roten Planeten etwas genauer ansehen. Der Bildband „Mars“ bietet mit seiner Vielzahl an Aufnahmen aus dem Nasa-Archiv eine so noch nie dagewesene Möglichkeit, sich ein Bild vom Mars zu machen. Näher dran geht es vorerst nicht. Jedenfalls nicht auf Erden.
Mars und Erde habe eine lange gemeinsame Geschichte. Beide entstanden, so erfahren wir in den aufschlussreichen Textbeiträgen zum Band, vor rund 4,5 Milliarden Jahren. „Im ersten Viertel dieser Zeit entwickelten sie sich ähnlich“, schreibt Rob Manning, ehemals Leitender Ingenieur des „NASA Jet Propulsion Laboratory“ am California Institute of Technology in Pasadena. Auch auf der Marsoberfläche habe es Wasser gegeben. Spuren davon finden sich als Eis unter der Oberfläche und eingeschlossen in Gestein.

Der ewige Frieden
Grund für die unterschiedlichen Entwicklungswege von Mars und Erde sei, dass mit der Zeit die Atmosphäre beim Nachbarn erodierte. Dadurch habe sich die Feuchtigkeit verflüchtigt. Zwar sei der Wind vor Ort „kaum stark genug, um selbst kleine Sandkörner anzuheben.“ Gleichwohl habe er im Laufe von sehr vielen Millionen Jahren ausgereicht, um der Landschaft viele Facetten angedeihen zu lassen. „Die meisten davon sind zarte Studien abstrakter Formen“, sagt Rob Manning, „andere erheben sich wie uralte, scharfe Klingen, die Eindringlinge davon abhalten sollen, den ewigen Frieden zu stören.“
Die High-End-Fotografien, die der Band versammelt, bezeugen nicht nur diese landschaftlichen Bizarrerien. Auch vermitteln sie einen intensiven Eindruck von ihrer Poesie, ihrer Schönheit. Es handelt sich um Landschaftsmalerei der natürlichsten Art.

„Krieg der Welten“
Die Faszination für den Mars blüht seit langem. Daran erinnert Margaret A. Weitekamp, die Leiterin und Kuratorin der Abteilung für Raumgeschichte des „Smithsonian National Air and Space Museum“ in der Hauptstadt Washington. So habe der britische Autor H. G. Wells mit seinem Science-Fiction-Opus „Krieg der Welten“ (1897, deutsch 1901) eines der ersten Werke veröffentlicht, das eine außerirdische Invasion beschreibe. Aus dem Roman machte Orson Welles im Jahre 1938 ein Hörspiel, dessen Realismus viele Zuhörer vor den Radios in Schock und Panik versetzte.
Doch nicht grüngesichtige Marsianer sind es, die der real existierenden Wissenschaft Probleme bereiten. Der Planet höchstselbst ist die große Herausforderung. Etwa die Hälfte aller Marsmissionen sei fehlgeschlagen, schreibt James L. Green, ehemaliger Wissenschaftlicher Leiter bei der Nasa. „Die Raumfahrtprogramme weltweit haben gezeigt, dass es enorm schwer ist, den Mars zu erreichen, in seinen Orbit zu gelangen und sogar erfolgreich auf ihm zu landen.“ Mittlerweile seien weitere Länder ins Rennen zum Mars eingestiegen. Darunter Indien, China, Japan und die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie alle haben das eine große Fernziel. Doch James L. Green warnt: „Der Mars ist schwierig.“ Deutlich weniger riskant, sagen wir, ist die Lektüre dieses Bandes aus dem Taschen-Verlag.
Martin Oehlen
Das Foto am Kopf der Seite
zeigt Ansichten des Mars, die am Computer aus Tausenden von Fotografien zusammengesetzt worden sind. Die Aufnahme aus dem Nasa-Archiv wurde uns – wie auch alle anderen Nasa-Aufnahmen zu diesem Beitrag – vom Taschen-Verlag zur Verfügung gestellt.
„Mars – Photographs from the NASA Archives“, mit Beiträgen von Nikki Giovanni, Emily Lakdawalla, James L. Green, Rob Manning und Margaret A. Weitekamp, Taschen Verlag, dreisprachige Ausgabe (Englisch, Deutsch, Französisch), 340 Seiten mit Ausklappseiten, 50 Euro.
