Schwester Holiday räumt auf in New Orleans: Margot Douaihys Kriminalroman „Verbrannte Gnade“ bietet Spaß und Spannung

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Die Tattoos reichen bis zu ihren Fingerspitzen, das dunkle Haar ist weißblond gefärbt. Wie eine Nonne sieht Schwester Holiday wahrlich nicht aus. Was kein Wunder ist. Noch vor einem Jahr hat Holiday Walsh, Mitglied einer weitgehend unbekannten Frauen-Punk-Band, in abgeschrammten New Yorker Kneipen auf der Bühne gestanden und auf ihre Gitarre eingedroschen. Hat sich Abend für Abend mit zu vielen Drinks abgeschossen und die Nächte in den Armen ihrer Freundin verbracht. Bis ihre Mutter durch ihre Schuld zu Tode kam und sie zum Glauben fand.

Tattoos unterm Halstuch

Jetzt lebt Holiday in der Gemeinschaft der Schwestern vom Erhabenen Blut in New Orleans in einem maroden Kloster, wo der Schimmel die Wände grün färbt, und erteilt unwilligen Schülerinnen und Schülern Musikunterricht in der klostereigenen Schule. Beten, unterrichten, schlafen. Zwischendurch ein paar Zigaretten, die sie von ihren Schülern konfisziert hat.

Die feste Struktur gebe ihr Halt, sagt Holiday. Das Kloster sei ihr neues Zuhause, in dem sie sich willkommen fühle. Auch wenn sie auf Geheiß der Mutter Oberin Handschuhe und ein Halstuch tragen muss, um ihre Tattoos zu verdecken, und Schwester Honor sie regelmäßig die Buntglasfenster in der Klosterkirche putzen lässt.   

Kloster in Flammen

Doch dann ist es vorbei mit der Ruhe. Eines der Klostergebäude steht in Flammen, der Hausmeister stürzt einer Fackel gleich aus dem Fenster, zwei Schüler werden schwer verletzt. Bald bricht in einem weiteren Haus auf dem Schulgelände Feuer aus, ein Schulbus brennt – und Holiday, der Neuzugang mit der undurchsichtigen Vergangenheit, gerät in Verdacht, nicht ganz unschuldig an den Vorfällen zu sein.

Gemeinsam mit einer tablettensüchtigen Kommissarin macht sich die Nonne daran, die Brandserie aufzuklären. Das liest sich spannend und überzeugt bis zum überraschenden Ende. Mit „Verbrannte Gnade“, dem ersten Band einer Krimireihe um Schwester Holiday, ist der US-Autorin Margot Douaihy ein ungewöhnlicher Coup gelungen: schräge Protagonistin, gut geschriebene Geschichte, interessantes Setting. Das ist ein Mix, der funktioniert und Spaß macht zu lesen.

Petra Pluwatsch

Margot Douaihy: „Verbrannte Gnade“, dt. von Eva Kemper, Blumenbar, 368 Seiten, 23 Euro. E-Book: 14,99 Euro.

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