Der Ausflug auf die abgelegene Insel wird zum Alptraum: Triona Walsh legt mit „Schneesturm“ einen vielschichtigen Spannungsroman vor

Foto: Bücheratlas

Sieben Freunde, drei Tote, ein Mörder. Zehn Jahre sind vergangen, seit Cillian Folan in der Silvesternacht über Bord ging und in der tobenden Irischen See ertrank. Zehn Jahre, in denen seine Witwe Cara kaum Kontakt zu den Freunden von damals hatte. Doch in diesem Jahr will sich die alte Clique auf Inishmore treffen und Cillians Todestag gemeinsam begehen.

Schneesturm mit Folgen

Eine schöne Idee, die schnell zum Albtraum wird. Ein Schneesturm schneidet die abgelegene Insel von der Außenwelt ab. Der Strom fällt aus, und unter den verbliebenen Freunden sind die Spannungen mit der Hand zu greifen. Und wo bleibt eigentlich Maura, Caras beste Freundin seit Kindertagen?  Die Lehrerin erscheint nicht zum gemeinsamen Abendessen. Selbst am nächsten Morgen bleibt sie verschwunden. Stattdessen erreicht Inselpolizistin Cara die Nachricht, am Strand sei eine Leiche entdeckt worden.

Man kennt Szenarien wie diese, seitdem Agatha Christie 1939 mit ihrem Krimi „Ten Little Niggers“ (dt. „Und dann gab’s keines mehr“) einen Weltbestseller landete: Eine einsame Insel, eine erste Leiche, eine zweite Leiche, ein überschaubarer Kreis von Verdächtigen. Die irische Autorin Triona Walsh hat in ihrem zweiten Roman „Schneesturm“ die Grundidee des Klassikers übernommen und daraus einen modernen, vielschichtigen und psychologisch stimmigen Spannungsroman gemacht.

Misstrauen macht sich breit

Die Tote am Strand, so viel sei verraten, ist die vermisste Maura. Ihre Handgelenke sind gefesselt, in ihrem Mund steckt ein Knebel. Ein Selbstmord scheidet damit aus. Cara ist zwar angewiesen worden, auf Verstärkung vom Festland zu warten, doch der Tod ihrer Freundin lässt ihr keine Ruhe. Sie sichert Spuren, befragt die Nachbarn. Und deckt im Zuge ihrer Ermittlungen so manch dunkles Geheimnis ihrer alten Freunde auf. Bald gehen Angst und Misstrauen um in dem vernachlässigten Haus, in dem man in Gedenken an den verstorbenen Cillian zusammen feiern wollte.

Das ist prima erzählt. Es gibt falsche Spuren, zu Unrecht Verdächtigte und gleich mehrere Personen, die einen guten Grund gehabt hätten, zur Mörderin oder zum Mörder zu werden.

Petra Pluwatsch

Triona Walsh: „Schneesturm“, dt. von Birgit Schmitz, S. Fischer, 384 Seiten, 17 Euro. E-Book: 4,99 Euro.

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