Stan & Tommie: Markus Orths erzählt die unglaubliche Begegnung von Stummfilm-Komik und Mittelalter-Gläubigkeit

Sie sind ein prächtiges Paar: Stan Laurel und – nein, nicht Oliver „Ollie“ Hardy, sondern Thomas von Aquin. Es darf als gesichert gelten, dass bislang noch nie davon die Rede gewesen ist, dass diese beiden Herren je in Kontakt getreten sein könnten. Das liegt schon an dem nicht unerheblichen Umstand, dass den mittelalterlichen Mönch und … Stan & Tommie: Markus Orths erzählt die unglaubliche Begegnung von Stummfilm-Komik und Mittelalter-Gläubigkeit weiterlesen

Michael Kumpfmüller über die letzten zehn Tage der Virginia Woolf

Es ist die letzte große Krise der Virginia Woolf. Im März des Kriegsjahres 1941, im englischen Cottage „Monk’s House“ bei Rodmell in East Sussex, fällt sie immer wieder in die Depression, befürchtet sie einen Nervenzusammenbruch, wähnt sie sich leergeschrieben: „Vielleicht hat sie ja einfach nichts mehr zu sagen.“ Über den Freitod hat sie schon oft … Michael Kumpfmüller über die letzten zehn Tage der Virginia Woolf weiterlesen

Tanya Tagaqs „Eisfuchs“ erzählt von Gewalt und Schönheit bei minus 40 Grad

„Wenn jemand den Saal verlassen will“, sagte Tanja Tagaq zu Beginn ihres Konzertes im Kennedy Center in Washington 2019, „ist das okay.“ Der Kehlkopfgesang sei nicht jedermanns Geschmack. Was die 1975 im kanadischen Nunavut geborene Inuit über ihr vokales Feuerwerk sagte, mit dem sie eine archaische Welt erschafft, gilt auch für ihr Schreiben: „Eisfuchs“ ist … Tanya Tagaqs „Eisfuchs“ erzählt von Gewalt und Schönheit bei minus 40 Grad weiterlesen

Luft und Liebe: Aris Fioretos erzählt von Nelly B., der ersten Pilotin in Deutschland

„Mein voller Name lautet Ruth Cornelia Becker-Boulard. Ich bin Bildhauerin, Eisseglerin und Aviatikerin gewesen. Sowie, bis vor Kurzem, eine treue Gattin.“ So stellt sich Nelly, die Zentralgestalt in Aris Fioretos Roman „Nelly B.s Herz“, im Berlin der 20er Jahre vor. Allerdings fehlt in dieser Kurzbeschreibung eine entscheidende Angabe: Nelly ist überdies verliebt in die deutlich … Luft und Liebe: Aris Fioretos erzählt von Nelly B., der ersten Pilotin in Deutschland weiterlesen

Monika Helfer über die schöne Maria Moosbrugger und ihre „Bagage“

Maria Moosbrugger ist die schönste Frau weit und breit. Sie weiß, „dass sie den Männern gefällt, nicht einen kennt sie, bei dem sie nicht sicher ist.“ Doch sie hat ja den Josef, der auch nicht schlecht aussieht, allerdings arm ist, weil der Hof in den Alpen viel zu wenig abwirft, so dass er mit ein … Monika Helfer über die schöne Maria Moosbrugger und ihre „Bagage“ weiterlesen

Agnieszka Lessmanns „Fluchtzustand“: Gedichte über den unsicheren Boden unter den Füßen

Agnieszka Lessmann wurde im polnischen Lodz geboren, zog mit ihrer Familie 1968 nach Israel und im folgenden Jahr nach Deutschland. Sie hat bislang acht Hörspiele veröffentlicht, darunter "Cobains Asche", "Mörder" und zuletzt "Einstiegskurs". Außerdem arbeitet sie als Kulturjournalistin. Nun legt sie ihren ersten Gedichtband vor. Agnieszka Lessmann wohnt in Bergisch Gladbach. Agnieszka Lessmann, Sie haben … Agnieszka Lessmanns „Fluchtzustand“: Gedichte über den unsicheren Boden unter den Füßen weiterlesen

Ein Komet am Kunsthimmel: Gent feiert Jan van Eyk

Jan van Eyck wird zuweilen als „König der Maler“ bezeichnet. Aber ist dieser Ehrentitel überhaupt hoch genug angesiedelt? Denn nachdem der flämische Meister am Kunsthimmel erschienen war, an der Wende von der Spätgotik zur Renaissance, blieb nichts mehr wie es war. Da darf man doch, wie es jetzt Cathérine Verleysen und Johan de Smet vom … Ein Komet am Kunsthimmel: Gent feiert Jan van Eyk weiterlesen

Wesen mit zwei Gesichtern: Josef Haslinger schildert, wie er missbraucht wurde – und warum er so lange geschwiegen hat

Mit der katholischen Kirche hat der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger schon lange abgeschlossen. Nicht bewältigt hingegen hat er bis heute, was ihm einige Vertreter eben dieser Institution in seiner Kindheit und Jugend angetan haben: Josef Haslinger, 64 Jahre alt, von 2013 bis 2017 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, ist über Jahre von Patres missbraucht und misshandelt … Wesen mit zwei Gesichtern: Josef Haslinger schildert, wie er missbraucht wurde – und warum er so lange geschwiegen hat weiterlesen

Regina Porters amerikanischer Familienroman führt von Martin Luther King bis zu Barack Obama

Das Unerhörte ereignet sich im zweiten Kapitel. Agnes und ihr Freund Claude werden auf der Damascus Road in Georgia von der Polizei angehalten. Eine Schikane, ganz klar. Und ein Übergriff. Denn die weißen Polizisten vergehen sich anscheinend an der jungen schwarzen Frau. Genaues wird man nicht erfahren. Allerdings führt der Vorfall dazu, dass sich Agnes … Regina Porters amerikanischer Familienroman führt von Martin Luther King bis zu Barack Obama weiterlesen

Paul Celan 2020: Ein Klagebrief für Böll, Liebesgrüße an Ingeborg Bachmann

„Eigentlich tät ich nichts lieber als Briefe schreiben“, heißt es in einem Brief von Paul Celan aus dem Jahre 1968. Nur komme ihm halt „so manches Gegenbriefliche in die Quere“. Das steht außer Frage. Gleichwohl pflegt Celan seine Kontakte. Der Output ist  enorm. Im Buchhandel liegen bald 20 Briefbände des Mannes vor, der 1920 als … Paul Celan 2020: Ein Klagebrief für Böll, Liebesgrüße an Ingeborg Bachmann weiterlesen

Der Isländer Ragnar Helgi Olafsson legt ein „Handbuch des Erinnerns und Vergessens“ vor

Island ist ein einzigartiges Land – so groß und einsam, so hell und dunkel, so eiskalt und lavaheiß. Da verwundert es niemanden, dass auch die Literatur des Landes manch eine erstaunliche Erzählung vorzuweisen vermag. Das „Handbuch des Erinnerns und Vergessens“ versammelt gleich dreizehn eigenartige Geschichten, die mal als Vignette, mal als Kurzgeschichte und mal als … Der Isländer Ragnar Helgi Olafsson legt ein „Handbuch des Erinnerns und Vergessens“ vor weiterlesen

Nobelpreisträgerin Herta Müller erzählt vom Widerstand und aus der Werkstatt

Das Thema der sechsten „Poetica“, des „Festivals für Weltliteratur“ in Köln, heißt "Widerstand". Da war es für den Kurator Jan Wagner geradezu zwingend, Herta Müller einzuladen. Denn wie bei nur wenigen anderen Schriftstellern ist für die Literaturnobelpreisträgerin der Widerstand ein zentrales Lebenselement. Das wurde mehr als einmal deutlich bei ihrem Auftritt in der vollbesetzten Kulturkirche. … Nobelpreisträgerin Herta Müller erzählt vom Widerstand und aus der Werkstatt weiterlesen

Poetica, das Kölner Festival der Weltliteratur, auf der Suche nach dem Widerstand

Das Speeddating zum Auftakt der „Poetica“ brachte sieben Lyriker auf die Bühne der Aula der Kölner Universität. Und Jan Wagner obendrein. Der Büchnerpreisträger des Jahres 2017 ist in diesem Jahr Kurator des „Festivals der Weltliteratur“, das zum sechsten Mal vom Kolleg Morphomata und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgerichtet und von vielen Kooperationspartnern … Poetica, das Kölner Festival der Weltliteratur, auf der Suche nach dem Widerstand weiterlesen

Paul Theroux will es noch einmal wissen – und das ausgerechnet in Mexiko

Ein Mann will es noch einmal wissen. „Verachtet, alt, gemieden, brüskiert, stehengelassen, nicht für voll genommen, herabgesetzt, verspottet, belächelt, mit Stereotypen behangen, als parasitär empfunden, unsichtbar für die Jungen“ – so fühlt sich der 78 Jahre alte Reiseschriftsteller Paul Theroux, als er aufbricht nach Mexiko, um ein Buch darüber zu schreiben. Ausgerechnet Mexiko! Das Land … Paul Theroux will es noch einmal wissen – und das ausgerechnet in Mexiko weiterlesen

Hut ab vor diesem Mann: Jacques Tati zeigt, wie komisch wir sind

Es darf gelacht werden! Fünf Bände führen tief hinein in das fulminante Werk des Jacques Tati (1907-1982). Sie machen vertraut mit einem Künstler, der sein Publikum "nur" amüsieren wollte, wie er einmal sagte, gleichwohl aber jede Menge satirische Spitzen auf die Moderne abfeuerte. Es wurde nicht viel geredet in seinen Filmen, wenngleich diese sehr beredt … Hut ab vor diesem Mann: Jacques Tati zeigt, wie komisch wir sind weiterlesen

Zwischen Himmel und Hölle: Heinrich Böll und die Bildende Kunst

Heinrich Bölls frühes Gedicht mit dem (durchgestrichenen) Titel "Bild im Wallraf-Richartz-Museum" ist leider verschollen. Gleichwohl steht außer Frage, dass dieses Museum wie so manches andere für den Schriftsteller von großer Bedeutung war. Zumal die Kölner Museen hat Böll (1917-1985) schon als Kind kennengelernt. Der Vater habe damals „alles“ erklärt, sagte er 1962 in einem Werkstattgespräch … Zwischen Himmel und Hölle: Heinrich Böll und die Bildende Kunst weiterlesen