Herumschnüffeln wie Miss Marple: Jess Kidds wunderbar altmodischer Kriminalroman „Mord in der Pension Möwennest“

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Ein Buch von Jess Kidd aufzuschlagen, ist wie das Öffnen eines Überraschungseis: Man weiß nie, was drinsteckt. Wohl kaum eine andere englische Autorin ist so vielseitig wie die gebürtige Londonerin. Zu ihrem Repertoire gehören historische Romane, Schauer- und Detektivgeschichten. Zuletzt haben wir auf diesem Blog „Die Insel der Unschuldigen“ (HIER) vorgestellt – einen berührenden Roman über Einsamkeit, Angst und kindlichen Mut.

Wo bleibt die Post von Frieda?

Nun kommt „Mord in der Pension Möwennest – Eine gescheiterte Nonne ermittelt” so wunderbar altmodisch-behäbig daher wie ein Krimi von Agatha Christie. Nora Breen, eine toughe Frau in ihren Fünfzigern, hat nach 30 Jahren dem Klosterleben den Rücken gekehrt und ist in die Pension Möwennest gezogen.

Der düstere alte Kasten war die letzte Adresse ihrer Freundin Frieda. Diese war einige Monate zuvor ebenfalls aus dem Kloster ausgetreten, hatte jedoch versprochen, Nora jede Woche zu schreiben. Als die Briefe ausbleiben, macht sich Nora auf die Suche nach ihrer verschwundenen Freundin.

Ein wenig Gift zum Kaffee

Kurz nach ihrer Ankunft gibt es bereits den ersten Toten. Einer der Gäste der Pension „Möwennest” hat einen mit Gift versetzten Kaffee getrunken. War es Selbstmord oder Mord? Nora ist von Letzterem überzeugt. Die Polizei ist anderer Meinung. Also beginnt die ehemalige Nonne, ein bisschen herumzuschnüffeln. Ein Schelm, wer dabei an Miss Marple denkt. Bald folgt ein zweiter Todesfall. Misstrauen macht sich unter den Pensionsgästen breit, von denen jeder und jede etwas zu verbergen hat.

Jess Kidd, die mit einem hintergründigen, sehr britischen Humor gesegnet ist, hat aus dieser verzwickten Geschichte einen rundum gelungenen Lesespaß gemacht. Die Handlung ist im Jahr 1954 angesiedelt, also neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, was in diesem Fall nicht unwichtig ist. Doch mehr wird nicht verraten.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir von Jess Kidd „Die Insel der Unschuldigen“ (HIER) und „Die Ewigkeit in einem Glas“ (HIER) besprochen.

Jess Kidd: „Mord in der Pension Möwennest“, dt. von Werner Löcher-Lawrence, DuMont, 384 Seiten, 18 Euro. E-Book: 13,99 Euro.

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