Der Kampf der Frauen: Gilly Macmillans spannender Thriller „Die Bibliothek“ hat eine starke feministische Note

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Dan Brown kann einpacken. In Gilly Macmillans Thriller „Die Bibliothek“ geht es mindestens ebenso mystisch, schräg und geheimnisvoll zu wie in den Büchern des US-amerikanischen Bestsellerautors. Anya Brown, eine renommierte junge Paläografin aus Oxford, wird von der Universität St. Andrews in Schottland angeworben, um die Bestände einer jahrhundertealten Bibliothek aufzuarbeiten. Das Angebot klingt verlockend, und schon wenige Wochen später reist Anya mit ihrem Freund Sid nach St. Andrews, um ihre Stelle am Institut für Manuskriptstudien anzutreten.

Die Larks und die Kats

Doch die Universität unter der Leitung von vier Frauen scheint mehr zu sein als ein Ort des Lehrens und Lernens. Schon bald fühlt sich das junge Paar beobachtet. Eine Lehrkraft wird bei einem Besuch in London ermordet und auf bizarre Weise zur Schau gestellt. Eine weitere Angestellte ist seit Monaten spurlos verschwunden. Angeblich ist die junge Wissenschaftlerin zu ihrer Familie nach China zurückgekehrt, doch dort ist sie nie angekommen. Als Anya begreift, dass sie zum Spielball zweier mächtiger, uralter Geheimbünde geworden ist, ist es für einen Ausstieg aus diesem bösen Spiel längst zu spät.

Der Orden der Larks, der Lerchen also, ist eine Vereinigung einflussreicher und beruflich erfolgreicher Frauen, deren Ziel die Überwindung patriarchalischer Strukturen ist. Um dieses Ziel zu erreichen, schrecken sie nicht vor Mord zurück. Ihnen stehen die sogenannten Kats, die Anhängerinnen des Katharinenordens, gegenüber. Deren Mitglieder vertreten ähnliche Ziele wie die Larks, beschränken sich jedoch auf ihre traditionellen Rollen als Ehefrauen und Mütter. Aus dieser Position heraus versuchen sie, ihre Partner zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen.

„Das Buch der Wunder“

Der Schlüssel zur Macht liegt in einer geheimnisvollen alten Schwarte aus dem 15. Jahrhundert. Doch das „Buch der Wunder“ gilt seit Jahrhunderten als verschollen. Mit Anyas Hilfe hoffen die Larks nun, die alte Schrift aufzuspüren und endlich deren Geheimnisse zu entschlüsseln. Das erinnert ein wenig an die Suche nach dem heiligen Gral, jenem wundertätigen Gefäß, das Gesundheit und ewige Jugend spenden soll.

Gilly Macmillans Roman kann man durchaus als feministisches Manifest verstehen. Alle Macht den Frauen! Darüber hinaus ist er – trotz manch mystischer Verquastheit – süffig geschrieben und über weite Strecken ausgesprochen spannend.

Petra Pluwatsch

Auf diesem Blog

haben wir Gilly Macmillans Thriller „Die Vertraute“ HIER besprochen.

Gilly Macmillan: „Die Bibliothek“, dt. von Christoph Göhler, Blanvalet, 368 Seiten, 18 Euro. E-Book: 6,99 Euro.

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