„Menschlich, allzu menschlich“: Erich Witschke stellt seinen Roman „Hegel, Hölderlin, Schelling“ im Literaturhaus Köln vor

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Erich Witschke (links) mit Literaturhaus-Leiterin Bettina Fischer und Moderator Markus Schwering vor dem Gang zum Podium Foto: Bücheratlas

Es ist das Jahr des Friedrich Hölderlin! Der Dichter des hohen Tons, gepriesen für Hymnen und Oden, den „Hyperion“ und den „Tod des Empedokles“, wurde am 20. März 1770 geboren, vor bald 250 Jahren. Da verwundert es rein gar nicht, dass einige Neuerscheinungen den Dichter aus dem Königreich Württemberg würdigen. Zuletzt erschienen mit dieser Tendenz Karl-Heinz Otts Groß-Essay „Hölderlins Geister“ und Rudiger Safranskis Biografie „Komm! Ins Offene, Freund!“ im Hanser-Verlag. Nicht gleichermaßen im Fokus, doch nun im Literaturhaus Köln vorgestellt: Erich Witschkes „Roman einer Männerfreundschaft“, der sich dem berühmten Trio „Hölderlin, Hegel, Schelling“ widmet und im Verlag Klöpfer, Narr erscheint.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, das darf nicht unterschlagen werden, wurde ebenfalls vor 250 Jahren geboren – eine lohnende Biografie hat aus diesem Anlass Claus Vieweg im Beck-Verlag veröffentlicht: „Hegel – Der Philosoph der Freiheit“. Hegels Philosophie-Kollege Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, der Dritte im Tübinger Studenten-Bunde, muss auf dieses Jubiläum noch fünf Jahre warten.

Als nun Erich Witschke im voll besetzten Literaturhaus mit Markus Schwering, Redakteur aus dem Kultur-Ressort des „Kölner Stadt-Anzeiger“, ein munteres Gespräch über sein Roman-Debüt führte, ging es in erster Linie um den Dichter in diesem Terzett. „Ich wollte einfach mal erzählen“, sagte Witschke, der bislang als Essayist und Kunst-Kurator in der evangelischen Trinitatiskirche in Köln hervorgetreten ist. Mit den drei Geistesgrößen verbindet ihn, dass auch er in Tübingen Theologie studiert hat. Doch anders als seine Protagonisten, die ihn zeitlebens beschäftigt haben, ist er tatsächlich Pfarrer geworden.

Witschke sieht Hölderlin nicht „so politisch“ wie es die Arte-Dokumentation „Friedrich Hölderlin: Dichter sein. Unbedingt!“ von Hedwig Schmutte und Rolf Lambert tut, die vorab im Literaturhaus gezeigt wurde und die am 25. März 2020 ausgestrahlt wird. „Das wird auch in der neueren Forschung nicht so gesehen“, sagte er. Ihn habe stärker der Mensch Hölderlin interessiert. Oft genug trete in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Dichter und Denker das Biografische in den Hintergrund – genau das wollte er in seinem Roman vermeiden. Was Hölderlin verspeiste, was er empfand, wen er liebte – darüber wird Auskunft gegeben. „Hölderlin war ein bildschöner Mann“, meint Witschke, „aber die Frauen haben es ihm auch zu leicht gemacht.“

Markus Schwerings Frage, die in Zusammenhang mit Hölderlins Vita unvermeidlich ist, beantwortete Witschke so: „Nein, Hölderlin war nicht verrückt.“ Und dass sich Hegel und Schelling nicht mehr um den ehemaligen Zimmergenossen gekümmert haben, als dieser im Tübinger Turm weggeschlossen war, entsetzt Autor und Moderator gleichermaßen. „Da waren die Genies auf einmal menschlich, allzu menschlich“, sagte Witschke.

Vor diesem Hintergrund sieht man sich gerne noch einmal die drei Freundschafts-Beteuerungen an, die dem Roman vorangestellt sind. „Und so sind wir der Ewigkeit unserer Freundschaft gewiss“, lässt Hölderlin am 10. Juli 1794 Hegel wissen. „Nein, Freund, wir sind uns nicht fremd geworden, wir finden uns auf den alten Weg zusammen“, teilt Schelling seinerseits am 4. Februar 1795 Hegel mit. Und Hegel selbst ruft im August 1796 in dem Gedicht „Eleusis“ seinem Freund Hölderlin zu: „des alten Bundes Treue fester, reifer noch zu finden, des Bundes, den kein Eid besiegelte“.

Doch alles hat seine Zeit. „Ihr Dreierbund dauerte gerade ein Dutzend Jahre.“ schreibt Witschke zum Ende seines Romans. „Danach lebte jeder sein Leben, ohne Anteil am Geschick der anderen zu nehmen.“

Martin Oehlen

Was auch interessieren könnte:

Eine Besprechung von Karls-Heinz Otts „Hölderlins Geister“ (Hanser) findet sich HIER.

Klaus Vieweg hat eine Hegel-Biografie vorgelegt, die sich unter anderem mit dem Freundschaftsbund befasst, der in Witschkes Roman behandelt wird: „Hegel – der Philosoph der Freiheit“ (C. H. Beck). Eine Besprechung gibt es HIER.

Erich Witschke: „Hegel, Hölderlin, Schelling – Roman einer Männerfreundschaft“, Verlag Klöpfer, Narr, 424 Seiten, 28 Euro.

Witschke

 

 

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