
Überrannt wurde das Kölner Wallraf-Richartz-Museum am Freitagabend. Da nämlich bat das Haus, das nach Plänen von Oswald Mathias Ungers errichtet wurde und mittlerweile 25 Jahre alt ist, zur Abschiedsparty vor der Generalinstandsetzung. Die eine Schlange streckte sich auf der Straße Unter Goldschmied hoch bis zur Kleinen Budengasse, die andere kam von der Gürzenichstraße über den Quatermarkt. Ein imposantes Bild.
Einladung zum Tattoo
Dicht und geduldig harrten die Menschen aus. Ihr Antrieb? Vermutlich nicht so sehr das Wallraf-Motiv, das man sich laut Programmankündigung von einem „Tattoo-Artisten“ stechen lassen konnte. Womöglich war es doch eher eine Mischung aus Feierlaune, Melancholie und Skepsis.
Zwar soll das Haus schon Ende 2028 wieder seine Pforten öffnen. Doch wer weiß! Immerhin warten wir seit gefühlt 500 Jahren auf die Realisierung des Erweiterungsbaus. Erinnert sich noch jemand daran: Nachdem der Kunstsammler Gérard Corboud vor 25 Jahren Teile seiner Impressionismus-Sammlung dem Wallraf als „ewige Leihgabe“ überlassen hatte, wurde der Museumsname nicht nur um die „Fondation Corboud“ ergänzt. Auch war dem Sammler der Erweiterungsbau zugesichert worden – unter anderem als Ort, um seine rund 170 Werke des Impressionismus angemessen präsentieren zu können. Doch das sollte weder Gérard Corboud erleben, der 2017 starb, noch seine in diesem Jahr verstorbene Ehefrau Marisol.


Stefan Lochners „Muttergottes in der Rosenlaube“ gehört zum Urkern des Wallraf. Der Museumsbau selbst wird vom Quadrat bestimmt, das der Architekt Oswald Mathias Ungers so sehr schätzte. Fotos: Bücheratlas / M. Oe.
Alarm für Heinzelmännchen
Der Erweiterungsbau wurde entworfen von den Schweizer Architekten Christ & Gantenbein. Mit ihm gewannen sie 2013 den internationalen Architektenwettbewerb. Nun soll ihr Anbau 15 Jahre später gemeinsam mit dem sanierten Ungers-Urbau eröffnet werden. In zwei Jahren. Möglicherweise beginnt dann auch die Ära des „MiQua“, also des unmittelbar benachbarten Jüdischen Museums, dessen Fertigstellung sich sukzessive verzögert hat. Bis dahin fügen sich die drei Gebäude zu einem musealen Bermuda-Dreieck.
An diesem Wochenende gibt es auf absehbare Zeit die letzte Chance, Kölns ältestes Museum zu besichtigen. Am Sonntag, dem 2. August, wird um 18 Uhr endgültig dicht gemacht. Dann darf das ehrbare Handwerk ran. Und wem an diesem Museum gelegen ist, kann nur hoffen, dass auch ein paar Heinzelmännchen mit anpacken werden.
Martin Oehlen
Museum Ludwig
Wer sich nach noch mehr musealer Nachtschicht sehnt: Das Museum Ludwig in Köln öffnet an diesem Samstag, 1. August 2026, von 20 Uhr bis 2 Uhr morgens seine Blockbuster-Ausstellung um Yayoi Kusama. Keine Voranmeldung, aber „First come, first serve“. Am (ausgebuchten) Sonntag endet dann endgültig die Kölner Station der Japanerin, die mit ihren Pünktchen und Kürbissen und 450.000 Besucherinnen und Besucher angelockt hat. Was wir dort gesehen haben, steht HIER und HIER auf diesem Blog.
Hat in Deutschland jemals ein Neubau, Umbau, eine Sanierung termingerecht und im Budget geklappt eher nicht. Rechnet doch mal mit 2040 Wiedereröffnung…
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Danke für die Prognose! Wäre immerhin schneller als Stuttgart 21. 👍
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oder BER 😂😂😂 eigentlich nicht witzig. Eher ziemlich tragisch. Würde ich sagen. Herzlichst aus Zürich! A.
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Ja, traurig. Spätestens in zwei Jahren müssen wir hier den Realitätsabgleich machen! Beste Grüße vom Rhein
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