Überleben in archaischer Schönheit: M. L. Stedmans famoses Familieneopos „Ein weites Leben“ ist eine Hymne auf das Outback

Im Westen Australiens Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Vierzehn Jahre hatte sich M(argot) L(ouise) Stedman Zeit für ihren zweiten Roman genommen. In diesem Jahr war es endlich so weit: „A Far-Flung Life“ erschien zeitgleich in Australien, Großbritannien, den USA und mehreren europäischen Ländern. Hierzulande landete „Ein weites Leben“, so der deutsche Titel, auf Anhieb auf der Bestsellerliste.

„Rote Erde, so weit das Auge reicht“

M. L. Stedmann, 1971 im westaustralischen Perth geboren, fand auf Umwegen zum Schreiben. Nach einem Jurastudium arbeitete sie zunächst als Anwältin in London, bis sie, angeregt durch einen Ferienkurs über kreatives Schreiben, begann, an der University of London Creative Writing zu studieren. Ihren Durchbruch als Schriftstellerin feierte sie nach der Veröffentlichung mehrerer Kurzgeschichten im Jahr 2012 mit dem Roman „Das Licht zwischen den Meeren“. Und landete mit ihrer Australiensaga aus den 1920er Jahren einen überwältigenden Erfolg. Das Buch wurde in 45 Sprachen übersetzt und weltweit rund fünf Millionen Mal verkauft.

Auch in ihrem meisterhaften zweiten Roman setzt M. L. Stedman ihrer westaustralischen Heimat ein literarisches Denkmal von epochaler Wucht. Man schreibt das Jahr 1958. Die Familie MacBride bewirtschaftet im Outback östlich von Perth eine riesige Schaffarm, weit ab von jedweder Zivilisation. „Rote Erde, so weit das Auge reicht. Ameisen bauen sich eine Behausung, die die Hitze draußen hält. Kängurus saugen Feuchtigkeit aus zarten Blättern.“

Unfall auf der Schotterpiste

Dort, auf einer abgelegenen Schotterpiste, sterben an einem heißen Freitagmorgen im Januar Phil MacBride und sein ältester Sohn Warren bei einem Autounfall. Ein Augenblick der Unachtsamkeit – und der vollbeladene Viehtransporter bricht aus. Überschlägt sich, fängt Feuer. „Benzindämpfe überlagerten den Duft der Salzsträucher, und das Knarren des nahen Windrads verklang unter dem verzweifelten Blöken der Schafe.“ Allein der knapp 18-jährige Matt überlebt das Unglück mit schweren Kopfverletzungen.

Unterstützt von den Nachbarn, versucht Phils Witwe Lorna die Schaffarm über Wasser zu halten, bis Matt gesund genug ist, um das Familienunternehmen in die Zukunft zu führen. M. L. Stedman schildert eine Welt, in der jeder Tag ein Kampf gegen eine unerbittliche Natur ist. Dürreperioden lassen die Wasserlöcher versiegen. Schwere Stürme fegen in nur einer Nacht das letzte Bisschen an fruchtbarer Erde hunderte von Kilometern Land Richtung Meer.

Australiens weiter Westen

Gleichzeit präsentiert sich dieses weite wilde Land im Westen Australiens in all seiner archaischen Schönheit. Die Menschen, die hier leben, verbindet die unerschütterliche Liebe zu ihrer Heimat und die Notwendigkeit, zusammenzuhalten, um dem Outback das Wenige abzutrotzen, das sie zum Überleben brauchen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz führt Matt die Farm mit sicherer Hand durch die nächsten Jahrzehnte. Doch ihn belastet eine große persönliche Schuld. Auch er wird am Ende Erlösung finden. Ein großartiger Roman über ein großartiges Land.

Petra Pluwatsch

M. L. Stedman: „Ein weites Leben“, dt. von Cornelius Hartz, Blanvalet, 528 Seiten, 26 Euro. E-Book: 22,90 Euro.

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