Grandezza und Fulminanz: Die Dieter-Wellershoff-Stipendien 2021 gehen an Gundula Schiffer und Angela Steidele

Gundula Schiffer (Jahrgang 1980) und Angela Steidele (Jahrgang 1968) erhalten die Dieter-Wellershoff-Stipendien für das Jahr 2021. Das teilte die Stadt Köln am Montag mit, aus deren Pressemitteilung wir hier zitieren.

Die Dieter-Wellershoff-Stipendien wurden im Jahr 2018 erstmals vom Literaturhaus Köln als Arbeitsstipendien ausgeschrieben und im Zuge der Autorenförderung mit Mitteln der Stadt Köln ausgestattet. Die jeweils zwei Stipendien sind mit jeweils 12.000 Euro dotiert. Die bisherigen Dieter-Wellershoff-Stipendiatinnen und Stipendiaten sind Joachim Geil und Tina Ilse Maria Gintrowski (2018), Ulrike Anna Bleier und Bastian Schneider (2019) sowie Adrian Kasnitz und Tilman Strasser (2020).

Die dreiköpfige Jury – bestehend aus Sonja Herrmann (Literaturhaus), Martin Mittelmeier (Lektor und Autor) und Martin Oehlen (Literaturkritiker) – sichtete 23 Einsendungen. Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury waren die eingereichten Exposés und Textproben. Die Jury betont, dass in diesem Jahr „eine ungewöhnlich große Fülle starker Texte“ eingereicht wurde, „ein breit gefächertes Feld interessanter thematischer und stilistischer Zugriffe“.

Gundula Schiffers Lyrikprojekt „Hioba Hymore“

Gundula Schiffer publiziert seit 2011 regelmäßig Lyrik und Essays in Anthologien und Literaturzeitschriften Sie ist außerdem als literarische Übersetzerin aus dem Hebräischen, Französischen und Englischen tätig. 2017 erschien ihr erster Lyrikband „Jerusalem-Köln. Süden über meinem Buch“, 2019 die Biografie „Tirza Atar – Wenn alles berührt“. Ihr im Entstehen begriffener zweiter Lyrikband „Hioba Hymore“ überzeugte die Jury, die ihre Wahl so begründet: „Gundula Schiffer balanciert aufs Schönste die Gegensätze von wuchtiger Abstraktion und der Konzentration aufs Konkrete aus, von Pathos und Verspieltheit, von Sakralem und Profanem, von den Mammuts im Bedeutungsdschungel und den schrill lackierten Fingernägeln lyrischer Grandezza. Schiffer macht das Übersetzen in ihren Gedichten im wörtlichen und übertragenen Sinn produktiv: Hebräisch und Deutsch, mystischer Gesang und Bonmot, Religion und Privatheit ergänzen und bereichern einander. So entsteht eine beeindruckend breit angelegte Palette von Tonlagen, Klangregistern und Bildschichtungen.“

Angela Steideles Romanprojekt „Aufklärung“

Angela Steidele hat bereits acht Bücher und zahlreiche Beiträge publiziert, zuletzt erschienen „Poetik der Biographie“ (2019) und „Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg“ (2018). Die Entscheidung für ihr Romanprojekt „Aufklärung“ begründet die Jury folgendermaßen: „Von den 30 Jahren, die Johann Sebastian Bach und Johann Christoph Gottsched im Leipzig des 18. Jahrhunderts nebeneinander gelebt haben, ist nur wenig historisch überliefert. Und die Ehefrauen der beiden – die Sängerin Anna Magdalena Bach und die Schriftstellerin und Übersetzerin Luise Gottsched – sind weitestgehend in Vergessenheit geraten. Angela Steidele füllt mit ihrem Roman ‚Aufklärung‘ diese Leerstellen der Geschichte. Dorothea Bach, die älteste Tochter des Komponisten und Ich-Erzählerin des Romans, beginnt aus Empörung über die Biografie, die J.C. Gottsched von seiner verstorbenen Frau veröffentlicht, ein anderes Bild ihrer Freundin Luise zu Papier zu bringen. Dieses Bild fasst Steidele ein in ein üppiges Tableau geschickt platzierter historischer Fakten und poetischer Fantasie, das sie mit fulminantem szenischem Gespür und dem Witz einer völlig heutigen, aber mit den Eigenheiten des 18. Jahrhunderts spielenden Sprache in Bewegung bringt.“  (BA)

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