
Was für eine bizarre Szene! Mitten auf einer einsamen englischen Landstraße sitzt ein Toter. Der Mann ist mit Seilen an einen Stuhl gefesselt. Seine untere Körperhälfte steckt in einem Kartoffelsack. Und: Auf seinem Kopf thront ein mächtiges Hirschgeweih.
Flut von Falschaussagen
Schnell ist klar, um wen es sich bei dem Toten handelt. Jim Tiernan hatte im beschaulichen Örtchen Fleetcombe den Pub „White Hart“ geführt. Beliebt sei der Jimmy gewesen, erfährt Detective Sergeant Nicola Bridge, die gerade erst ihren Dienst an der örtlichen Polizeistelle angetreten hat. Feinde? Nicht, dass man wüsste. Wer also könnte den smarten Gastwirt ermordet und auf so spektakuläre Weise zur Schau gestellt haben? Eddie, der Paketauslieferer, der am Morgen nach der bösen Tat sichtlich nervös ist? Frankie, der junge, non-binäre Friseur, dem beim Haareschneiden verdächtig die Hände zittern?
Oder der knurrige Farmer Deakins? Auf dessen Grundstück hatte es zum Zeitpunkt des Mordes gebrannt. Nicht auszuschließen, dass zwischen den beiden Vorfällen ein Zusammenhang besteht. Beharrlich arbeiten sich Nicola Bridge und ihr Kollege Detective Constable Harry Ward durch eine Flut von Lügen und Falschaussagen, um den Geschehnissen in jener verhängnisvollen Nacht auf den Grund zu gehen.
Überraschend und schlüssig
„Septembermord“ ist der erste Krimi des englischen Drehbuch- und Theaterautors Chris Chibnall. Der studierte Theaterwissenschaftler arbeitet seit mehr als 20 Jahren für das britische Fernsehen und ist seit 2016 für die beliebte BBC-Serie „Doctor Who“ verantwortlich. Mit seinem Debütroman ist Chibnall, 1970 geboren und in Lancashire aufgewachsen, ein solider und gut konstruierter Spannungsroman gelungen: überzeugender Plot, interessante Charaktere, eine überraschende und dennoch schlüssige Auflösung.
Petra Pluwatsch
Chris Chibnall: „Septembermord“, dt. von Leena Fiegler, Piper, 416 Seiten, 18 Euro. E-Book: 5,99 Euro.
