Der Psychologe, die einsame Seele und das böse Ende: Kirsty Lockwoods eindrucksvoller Psychothriller „Most hated Girl“

Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Das Leben hat es nicht gut gemeint mit Odette Adin. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, ihre Mutter ist kürzlich gestorben. Jetzt steht die 18-Jährige allein in der Welt, eine einsame Seele auf der Suche nach Liebe, Anerkennung und einem gut bezahlten Job. Da erscheint ihr die Begegnung mit Amos Michaels wie ein Geschenk des Himmels. Der alte Herr, ein bekannter schottischer Psychologe, ist Witwer und offenbar genauso allein wie sie selbst.

Der Zufall führt diese beiden so unterschiedlichen Menschen zusammen. Bei einem Museumsbesuch kommen sie ins Gespräch, und ehe Odette sich versieht, bietet Amos ihr an, bei ihm zu wohnen. Kann das gutgehen? Nein, natürlich nicht! Nicht in einem Thriller! Acht Monate später wird Odette beschuldigt, den Senior vor laufender Kamera getötet zu haben.

Kreislauf aus Hass und Gewalt

Einfühlsam schildert die schottische Journalistin Kirsty Lockwood in ihrem Debütroman „Most hated girl“, wie aus einer Freundschaft eine toxische, gewaltbeladene Beziehung wird. Kaum ist Odette bei ihm eingezogen, lässt Amos die Maske des freundlichen Großvaters fallen und beginnt, die junge Frau mit grausamen Psychospielen zu quälen.

Doch auch Odette hat sich verändert. Mehr und mehr widersetzt sie sich den Forderungen des narzisstischen alten Mannes und setzt damit einen Kreislauf aus psychischer Gewalt, Demütigungen und gegenseitigem Hass in Gang. Ein eindrucksvolles, spannungsgeladenes Debüt mit allem, was zu einem Psychothriller dazugehört.

Petra Pluwatsch

Kirsty Lockwood: „Most hated Girl“, dt. von Conny Lösch, Insel, 399 Seiten, 17 Euro. E-Book: 14,99 Euro.  

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