Das gestohlene Notizbuch: Sabine Hofmanns rasanter 60er-Jahre-Krimi „Weiße Westen, schwarze Nächte“

Einen vielschichtigen Kriminalroman mit allerlei undurchsichtigen Gestalten bietet Sabine Hofmann. Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Die Beute kann sich sehen lassen: zwei Paar goldene Manschettenknöpfe, zwei Goldringe, ein saphirbesetztes Armband, zwei teure Markenuhren und 3000 D-Mark in bar. Dann ist da noch dieses kleine unscheinbare Notizbuch, das an der Innenwand eines Geheimfachs befestigt ist. Auch das steckt Profi-Einbrecherin Hedy Voss an diesem warmen Juniabend im Jahr 1966 in ihre Tasche. Wer weiß, welche Informationen es enthält.

Kladde mit brisantem Inhalt

Nur wenige Tage später steckt die Mittzwanzigjährigen bis zum Hals in Schwierigkeiten. Ein brutaler Schläger, Markenzeichen Schiebermütze, ist hinter ihr her. Ihr Hehler wird bedroht und zusammengeschlagen. Ihre tablettensüchtige Schwester hat sich auf eigene Verantwortung aus der Psychiatrie entlassen und trägt das Ihre dazu bei, das Chaos zu vergrößern. Schuld an dem Schlamassel: das gestohlene Notizbuch.

Mehr über die abgegriffene Kladde und ihren brisanten Inhalt erfährt man in Sabine Hofmanns rasantem Krimi „Weiße Westen, schwarze Nächte“. Darin geht es um nichts weniger als Erpressung, Mord, Spionage und Korruption.

Spuren der NS-Vergangenheit

Eingebettet ist die vielschichtige Story in die miefig-piefige Atmosphäre der Adenauer-Ära. Endlich geht es bergauf mit der noch jungen Bundesrepublik, die freilich moralisch-ethisch auf noch recht wackeligen Füßen steht. Auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende der Nazi-Zeit funktionieren die Seilschaften aus der braunen Vergangenheit Deutschlands, und so manch „alter Kamerad“ sitzt nach wie vor fest im Sattel. Gleichzeitig beginnt die Jugend aufzubegehren und provoziert die Vorgängergeneration mit kurzen Röcken, langen Haaren und dezidierten Ansichten über deren Weigerung, sich den Dämonen der Vergangenheit zu stellen.

„Weiße Westen, schwarze Nächte“ ist bereits der vierte Nachkriegs-Band von Sabine Hofmann – und der Auftakt zu einer 60er-Jahre-Serie. Sie, die 1964 Geborene, finde die Zeit faszinierend, schreibt sie im Nachwort. Das Ergebnis: ein ebenso spannender wie informativer Kriminalroman.

Petra Pluwatsch

Sabine Hofmann: „Weiße Westen, schwarze Nächte“, Aufbau, 352 Seiten, 13 Euro. E-Book: 9,99 Euro.

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