„Prost Mahlzeit!“ in Köln: Petra Reategui und Margit Hähner mit einer kulinarischen Literaturrevue bei „Miteinander Neumarkt“

Petra Reategui und Margit Hähner auf dem Kölner Neumarkt Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Üppig aufgetischt wurde auf dem Kölner Neumarkt. Petra Reategui und Margit Hähner präsentierten ein munteres Potpourri zu Essen und Trinken in der Literaturgeschichte: „Prost Mahlzeit!“. Dass dieses Thema ein Fass ohne Boden ist, versteht sich von selbst. Konsumiert wurde in der Literatur von allem Anfang an. Auch weil sich das Motiv bestens eignet, wie zu hören war, wenn es um Politik und Erotik geht, um Religion und Tradition, um Standesunterschiede zwischen Blechnapf und Silberbesteck.

Die Kölner Autorinnen setzten im Paradies ein, als Eva in den Apfel biss, der in Wahrheit möglicherweise ein Granatapfel war. Weiter ging es zu Grimmelshausens barockem Simplicissimus, zum Grimm’schen Knusperhäuschen, zu Heinrich Heines kölscher Platte mit Eierkuchen, Schinken und Rheinwein, zu Irmgard Keuns „kunstseidenem Mädchen“, das sich in Berlin für einen „Essautomaten“ begeistert. Von Prousts Madeleine war kurz und von Laura Esquivels bittersüßer Schokolade länger die Rede. Und von vielem anderen mehr. Auch weil das Publikum eingeladen war, eigene Lese- und Lebens-Erfahrungen einzubringen. All das wurde dankbar aufgenommen.

Nothilfe für den Platz

Solche Interaktion gehört zum Konzept von „Miteinander Neumarkt“, dem kostenlosen Kulturprogramm der Stadt Köln, das vom Kulturdezernat in Zusammenarbeit mit dem Kulturhof Kalk realisiert wird. Dabei handelt es sich um die Nachfolge der erfolgreichen Initiative „Nimm Platz!“ aus den vergangenen Jahren. Diese präsentierte im Gelben Pavillon täglich gleich mehrere Veranstaltungen. Zumal die Literatur war an jedem Nachmittag vertreten.

Nicht zuletzt wurde das eng getaktete Kulturprogramm seinerzeit initiiert, um die Aufenthaltsqualität auf dem Neumarkt zu verbessern, also um diese zumindest zu normalisieren. Eine sozio-kulturelle Stoßrichtung, die – soweit wir das beobachtet haben – nur Fürsprecherinnen und Fürsprecher hatte.  

„Miteinander Neumarkt“ vor dem Container Foto: Bücheratlas / M. Oe.

Die Suppe ist dünner geworden

Doch dann fiel „Nimm Platz!“ dem Sparkurs zum Opfer (worauf wir auf diesem Blog HIER hingewiesen haben). Nun gibt es die von sieben auf drei Wochentage abgespeckte „Miteinander“-Version. „Erleben Sie Kultur im Herzen Kölns“, heißt es auf der Website der Stadt. „Freuen Sie sich unter anderem auf einen Siebdruckworkshop, gemeinsames Zeichnen, einen Salsa-Abend, Karaoke (mit und ohne Live-Band), eine Kamishibai-Lesung für Kinder und vieles mehr!“ Das hat gewiss alles seine Berechtigung. Aber der Anspruch war schon mal ambitionierter. Ja, am Wochenende war die kulinarische Literaturrevue zu erleben, und am kommenden Donnerstag tritt die Sängerin Maika auf. Aber solche Attraktionen sind selten.

Da mag man es als Symbol für den Rückschritt sehen, dass ein schlichter Schiffscontainer als Bühne dient und nicht mehr ein Pavillon mit Zuschauertribüne. Die Suppe ist dünner geworden. Prost Mahlzeit!

Martin Oehlen

Auf diesem Blog

haben wir mehrfach über Veranstaltungen von „Nimm Platz“ berichtet. Die Beiträge lassen sich leicht über das Stichwort „Nimm Platz“ in der Suchmaske auffinden. Auf die Streichung der Initiative hatten wir HIER hingewiesen.  

Das Kulturprogramm

„Miteinander Neumarkt“ der Stadt Köln läuft noch bis zum 5. September.

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